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Warum es hier momentan ein wenig still ist

27 November 2009 8,026 views 4 Comments

Feed: Razorfish`s Digital Brand Experience Report

Mein Blog schlummert und ich kann nicht schlafen. In mir wütet die Schreibblockade und um mich herum tobt die Arbeit bzw. ein Projekt, dem ich gerade nachgehe.

Das Projekt heißt “kreative Unternehmerin macht aus Leidenschaft Leistung”, was eigentlich auf diesem Blog nichts Neues ist, schließlich portraitiere ich genau diese Menschen. Der Punkt ist nur, dass ich genau in diesem Augenblick ein FEATURE ÜBER MICH SELBST schreibe, denn ich bin gerade dabei, mich weg von der klassischen Markenstrategin hin zur Social Media Beraterin zu entwickeln. Der Grund hierfür ist gar nicht mal so sehr, dass ich unbedingt ein neues Portfolio haben wollte. Der Grund hierfür ist vielmehr der, dass ich ein neues haben MUSSTE.

Je länger ich bloggte und facebookte und twitterte desto komischer kam ich mich vor, wenn ich kräftezehrende zehn Workshop-Stunden lang mit einem Unternehmen über Kern und Botschaften seiner Marke nachdachte. Ich war Teil eines Prozess, der sicherlich einen großen Beitrag zur IDENTITÄTSFINDUNG dieser Marke und ihren Verantwortlichen leistete, aber doch nur bedingt relevant war für “die da draussen”, die so genannte “Zielgruppe”.

Razorfish Feed Report 2009

Denn während wir da saßen und schwitzen, bekam “ihre” Marke auf facebook unzählige Gesichter, wurde auf twitter heftig diskutiert und in Blogs kritisch besprochen. Was das mit dem Markenkern und den Botschaften zu tun hat, die am Ende dieses Tages im Briefing für die Kreativagentur standen? Nichts. Oder zumindest nicht viel. Natürlich hatten wir die Zielgruppen mitgedacht und ordentlich Research betrieben. Hatten in Fokusgruppen “Insights” gefunden, die nun hinter uns, leicht verdaubar auf Metaplanwänden hingen oder plakativ provokant in Präsentationen zu Beginn des Workshops dem Kunden aufs Auge gedrückt wurden. Das Problem war nur, dass das, was hier stand in derselben Minute in IRGENDEINEN SOCIAL MEDIA KANAL über den Haufen geworfen werden konnte. Und das zweite, viel größere Problem war die Tatsache, dass “Botschaften” in diesen Kanälen nichts mehr zu suchen hatten.

Razorfish Feed Report 2009

Ich muss Euch das nicht erzählen. Schon klar, dass wir keine Lust auf seltsam lustige Einweg-Werbesprüche haben, während wir gerade alles dafür tun, um unser eigenes Social Media Profil möglichst inspirierend zu befüllen. Oder anders gesagt: wir sehen diese Botschaften gar nicht mehr.

Und da fing sie an: meine ESSENZIELLE JOBKRISE. Ich war gefangen zwischen meiner Begeisterung für Social Media und meinem Job als Markenberaterin. Beides zusammen ging nicht mehr. Zumindest nicht auf die klassische Art und Weise.

So WABERTE ich eine Weile herum und zerbrach mir den Kopf über meine Optionen. Wäre ich männlich und BWL studiert hätte ich auf der Stelle Social Media Beratung auf meine Visitenkarte gekritzelt. Hätte mir ein Tool Kit gebaut und den mir verbundenen Marken facebook Gruppen, twitter Accounts und flickr Alben angelegt. It is all about action, you know?

Utopische Vorstellung. In jeder Hinsicht. Bis auf den Action Part, den finde ich gut.

Ich habe beschlossen Marken von Social Media zu erzählen, genauer gesagt von dem was hier möglich gemacht wird und von den MÖGLICHMACHERN selbst. Das heißt ich erzähle von Gesprächen, die hier stattfinden und wohin sie führen: zu großartigen Ideen und gemeinsamen Projekten. Zu bisher unbekannten Menschen und neuen Haltungen. Zu einem Entertainment, das den endgültigen Tod des Fernsehprogramms besiegelt.

Aber vor allem erzähle ich von einem neuen BEWUSSTSEIN: Social Media hat sehr viel mehr mit Psychologie als mit Technologie zu tun. Im Endeffekt praktizieren wir alle, zumindest aus der Vogelperspektive betrachtet, nichts anderes als verdammt gute Gesprächsführung: wir hören zu, gehen auf das Besprochene ein und arbeiten zusammen daran, die Faszination für unsere Themen mit anderen zu teilen.

Ich glaube fest daran, dass Marken und Unternehmen hier mitmachen können. Aber nur, und da bin ich der SOCIAL MEDIA NAZI, wenn sie verstehen, dass sie neben ihren Botschaften viel Interessanteres zu teilen haben: zum Beispiel Themen, die uns weiterbringen oder persönliche Stimmen, die uns Fragen beantworten und manchmal auch nur GUTE DEALS.

Razorfish Feed Report 2009

Mal sehen wie weit ich mit dieser Überzeugung im nächsten Workshop komme. Aber irgendwie bin ich recht gelassen. Schließlich handelt es sich hier nicht um Auslegware sondern um eine echte Chance. Sowohl für die Marken, weil sie endlich mal beweisen dürfen, dass sie das Thema Kommunikation als auch solches verstehen. Als auch für uns, weil wir eventuell mit einigen von ihnen coole Dinge rocken können.

Heute Nacht habe ich zum ersten Mal ganz tief geschlafen.

PS: Die Bilder stammen aus dem lesenswerten “FEED-Digital Brand Experience” Report von Razorfish. Ein Schluck Red Bull für alle Unternehmen, die noch doll Angst vor Social Media haben.

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4 Comments »

  • Thomas said:

    beim dritten bild von oben konnte ich mich nicht mehr halten – super toll dargestellt.

  • elv said:

    Ich wünsche dir auf jedenfall einen roten Faden in diesem Gewirr aus Begeisterung und Übermotivation sowie Verwirrung und Zweifel.

    Ich denke auch, dass sich viel bewegen wird, die Frage ist wann und wie sehr wir uns die Unternehmen sich das trauen.
    Mitmachen, mitdenken, mittendrin sein, wenn all das gegenüber dem faulen und fettmachenden Konsum von Werbung durchs TV ist, dass ist das eine tolle Entwicklung, der ich gern angehöre.

    Es bleibt spannend.

    Liebe Grüße

  • elv said:

    uns = und ( ;

  • Eva Kaczor (author) said:

    ich dank Dir Elv. Mitdenken, mitmachen und vielleicht auch ein klein bisschen vormachen wie es geht mit der Inhaltgetriebenheit. Ich persönlich freu mich sehr, dass Content plötzlich eine wirkliche Stimme bekommt.

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