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Mehr Mensch weniger Corporate – Interview mit Uwe Knaus, Daimler-Blog

30 Oktober 2009 37,411 views 8 Comments

Ich bin nach Stuttgart “zum Daimler” geflogen, um Uwe Knaus, den Macher hinter dem Daimler-Blog, persönlich zu fragen, wie man die sensible Gratwanderung zwischen Social Media Begeisterung, traditioneller Marke und Großkonzern hinbekommt.

Uwe Knaus, Daimler Blog

„Moment, da rennt der Kunde von morgen!“ ruft Uwe Knaus, zückt seinen Blackberry und schießt ein Foto von dem 6-Jährigen, der um den neuen SLS herum springt. Ein paar Sekunden später blitzt sein Tweet in meinem Twitteraccount auf.

Uwe Knaus ist der Mann hinter dem Daimler-Blog und auch der Mann aus dessen Twitter-Feed ich mir die Artikel zum Thema „Corporate Social Media“ ziehe. Ich weiss, dass er Weinkenner ist, gerne Musik hört und für die Dachmarke Daimler einen der erfolgreichsten deutschen Corporate Blogs entwickelt hat. Am 16. Oktober ist das Daimler-Blog zwei Jahre alt geworden. 40.000 Unique User lesen das, was Daimler Mitarbeiter Tag für Tag hier bloggen. 50% davon sind Externe, die anderen sind Kollegen.

Uwe Knaus, Daimler Blog

Das DAX Unternehmen Daimler hat angefangen loszulassen. Hat im positiven Sinne Platz gemacht für mehr Transparenz und vorallem für MEHR STIMME. Der Konzern zensiert nicht, er gibt seinen Autoren maximal Leitlinien auf den Weg:

„Schreib so, dass Dich andere verstehen, schreibe über das, was Dich bewegt und respektiere Deinen Arbeitsvertrag.“

Mercedes-Benz Museum

Uwe Knaus hat die Konzernführung überzeugt, dieses Experiment zu wagen. Geschafft hat er das vielleicht auch deswegen, weil er selber einen DIGITALEN LIFESTYLE pflegt und daher aus eigner Erfahrung weiss, wie sich die Kommunikation verändert hat. Vor ein paar Jahren fing er an TV-Werbung zu skippen und sich immer mehr mit der wachsenden BLOGOSPHÄRE zu beschäftigen. 2006 lernte er die Frosta Leute kennen und mit ihnen die Chancen von Corporate Blogging. Seitdem betreibt Uwe Knaus AUFKLÄRUNG. Tag für Tag ist er im Namen von Social Media und der Dachmarke “Daimler” im Konzern unterwegs. Immer auf der Suche nach Mitarbeitern, die er für einen Beitrag auf dem Blog begeistern kann.

Mercedes-Benz Museum, Miss Creative Classy

Herr Knaus, das Daimler-Blog ist gerade zwei Jahre alt geworden. Was war das Spannendste, das Sie während dieser Zeit mit ihm erlebt haben?
Es gab viele spannende Momente. Der aufregendste war sicherlich der Start vor gut zwei Jahren. Wir waren damals sehr gespannt, wie das Daimler-Blog in der Blogosphäre und in den klassischen Medien angenommen wird. Es war zu diesem Zeitpunkt das erste und es ist heute noch DAS EINZIGE CORPORATE BLOG EINES DAX-UNTERNEHMENS. Die Anspannung legte sich jedoch schnell als wir merkten, dass die Akzeptanz von allen Seiten vorhanden war.

Was waren die Gründe für den Design Re-Launch?
Wir haben ein Magazinformat entwickelt, weg vom klassischen Tagebuchstil. Wir wollten die Vernetzung der Inhalte, sowie die Interaktion zwischen Autoren und Lesern erhöhen. Das Erscheinungsbild sollte moderner, luftiger und großzügiger wirken. Kommentare, Autoren sowie thematisch verwandte Beiträge bekommen nun mehr Präsenz. Dazu analysierten wir im Vorfeld das Nutzerverhalten unserer Besucher und stimmten Gestaltung sowie Funktionalität darauf ab.  Bei allen Veränderungen sollten jedoch die Mitarbeiter und deren „EINBLICKE IN EINEN KONZERN“ weiterhin im Mittelpunkt stehen.

Mercedes-Benz Museum

Wie hat sich die Kommunikation der Dachmarke Daimler durch das Blog verändert?
Große Unternehmen werden von Außenstehenden oft als unnahbar und intransparent empfunden. Auf dem Daimler-Blog bekommt unser Unternehmen durch die bloggenden Mitarbeiter viele „MENSCHLICHE GESICHTER“. Authentische Beiträge, Transparenz und Offenheit auf diesem Medium tragen damit zur Attraktivität und Reputation des Unternehmens bei.

Was hat Sie dabei am meisten überrascht?
Mich überraschen immer wieder die Geschwindigkeit und die hohe Platzierung unserer Themen bei Google – was den Inhalten zu einer erhöhten Aufmerksamkeit im Netz verhilft. Denn heute gilt mehr denn je: „Google is every brand’s homepage“ und die erste Anlaufstelle von Informationssuchenden im Netz.

Mercedes-Benz Museum, cars

Aus ihrer Sicht: Was bringt Social Media einer großen Marke wie Daimler?
Social Media bietet großen wie kleinen Marken ein ENORMES POTENZIAL. Es entsteht ein Dialog und dieser wird TRANSPARENT geführt. Beziehungen werden aufgebaut und Kommunikation findet kontinuierlich statt. So entstehen Ideen und Anregungen, die sich auf Marke, Unternehmen und dessen Anspruchsgruppen positiv auswirken.

Die Reaktionen unserer Dialogpartner und die Tonalität in den Kommentaren sind durchweg positiv. Aktuell haben wir durchschnittlich 40.000 Besucher und ungefähr 90.000 Seitenaufrufe pro Monat. TENDENZ STEIGEND. Mehr als 2.500 Kommentare deuten ebenfalls darauf hin, dass das Interesse an Daimler und am Dialog sehr groß ist.

Mercedes-Benz Museum

Ihre Vision: wie sieht die Social Media Zukunft bei Daimler aus?
Meine persönliche Meinung ist, dass das “Social” in Social Media nicht für sozial, gemeinnützig oder gar wohltätig steht. Sondern, es sind die vielfältigen Gespräche gemeint, die vernetzt stattfinden und nicht immer leicht zu orten sind. Diese Entwicklung erfordert ein professionelles Zuhören – manche nennen es auch Monitoring. Wenn ich nun weiß, wo und wie über mein Unternehmen oder meine Marken gesprochen wird, bietet mir Social Media zahlreiche Möglichkeiten, mich an diesen Gesprächen zu beteiligen.
Das könnte die Aufgabe einiger weniger „SOCIAL MEDIA KOMMUNIKATOREN“ sein. Sieht man es ganzheitlich, ist zudem die Unternehmenskultur gefordert – Stichwort „Mitarbeiter als Botschafter“. Denn wer könnte ein Unternehmen und seine Vielfalt in der Öffentlichkeit besser darstellen als dessen Mitarbeiter? Mit ihrer Kompetenz und Expertenwissen können sie Diskussionen im Internet bereichern, aber auch Anregungen für ihre Arbeit finden.

Ich danke Ihnen Herr Knaus.

Wer wissen wie es mit dem Daimler-Bog weiter geht, dem empfehle ich den twitter account von Uwe Knaus

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8 Comments »

  • links for 2009-10-31 « Das Textdepot said:

    [...] Mehr Mensch weniger Corporate – Interview mit Uwe Knaus, Daimler-Blog | Miss Creative Classy (tags: case, corporateblog) [...]

  • Fundstücke vom 31.10.2009 « said:

    [...] Oktober 2009 · Kommentar schreiben Mehr Mensch weniger Corporate – Interview mit Uwe Knaus, Daimler-Blog Eva Kazcor hat sich auf den Weg nach Stuttgart gemacht, um dort mit Uwe Knaus, „dem Macher [...]

  • 50hz – Werkstatt für Netzkommunikation » Blogarchiv » Preiswürdiges Daimler Blog: Angefangen loszulassen said:

    [...] dem Internet gerecht wird. Daimler hat “angefangen loszulassen” wie Eva Kaczor in ihrer wunderbaren Interviewreportage über Uwe Knaus und “seinen Daimler” [...]

  • Marc Frey said:

    Wie bei allen grossartigen Dinge, sind es immer die Menschen die sie möglich machen. Und deswegen gebührt mein Respekt für Erfolg und Glaubwürdigkeit des Corporate Blogs von Daimler auch Uwe Knaus und seinen Mitarbeitern, ihrer Vision, Engagement und Hartnäckigkeit. Tolle Leistung!

  • Paradebeispiele: Corporate Blogs « Marco Nellessen – Visionen schaffen Erfolg! said:

    [...] wird nach dem Motto mehr Mensch weniger Corporate (<= Interview mit Uwe Knaus, Daimler-Blog) fleißig gebloggt. Wenn man sich anschaut, wann der [...]

  • mahret said:

    Danke Eva :)

  • Thomas said:

    Das hat Vorbild-Charakter; ich hoffe, bald werden andere Unternehmen und Institutionen sich auch für die digitalen Möglichkeiten öffnen und den Angestellten die Freiheit sich zu äußern zugestehen.

  • Paradebeispiele: Corporate Blogs | Marco Nellessen | IT-Systemkaufmann - Visionen schaffen Erfolg! said:

    [...] wird nach dem Motto mehr Mensch weniger Corporate (<= Interview mit Uwe Knaus, Daimler-Blog) fleißig gebloggt. Wenn man sich anschaut, wann der [...]

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