Home » Kreative Unternehmer

NEUE KREATIVE KLASSE: JULIA KNOLLE – Interview mit einer Fashion-Blog Pionierin

13 August 2009 9,059 views 25 Comments

Julia Knolle im Kreative Klasse Interview

DAS ALLERÜBERRASCHENDSTE ZUERST: Julia Knolle verbringt ihre Zeit meistens drinnen. Und sie trägt am liebsten Turnschuhe. Würde man nicht unbedingt von einer der bekanntesten Fashion-Bloggerin erwarten. Und eigentlich steht das auch im krassen Gegensatz zu Julias geheimen Berufswunsch „EVENTGÄNGERIN“. Warum ich das schreibe? Nicht, weil ich mich brennend für Mode interessiere, sondern weil es den Kopf aufmachen soll für die Tatsache, dass hinter dem Phänomen Fashion-Bloggerin eine kreative Unternehmerin stecken kann, die aus LEIDENSCHAFT EINE LEISTUNG machte und sich den Job als Chefredakteurin bei Glam.de selbst auf den Leib schneiderte.

An einem regenwaldartig-schwülen SONNTAGNACHMITTAG haben Julia Knolle und ich uns im Garten der Kunstwerke darüber unterhalten, wie es sich anfühlt mit zarten 26 den Job einer ausgewachsenen Chefredakteurin gewuppt zu haben (Julia hat Glam.de Ende Juli verlassen), warum man sich trotz 290.000 Les Mads Lesern machmal ganz schön ALLEIN MIT DER BLOGGEREI FÜHLT und wie das KREATIVE POTENZIAL von Bloggern in Zukunft doch bitte schön zu fördern sei.

Julia Knolle und Miss Creative Classy

VON DER EXCELTABELLE ÜBER DIE FASHION-BLOGGERIN ZUR CHEFREDAKTEURIN

JULIA WIRD MAN IN DER GENERATION “UPLOAD” ALS FASHION-BLOGGERIN GEBOREN?
Also ich nicht. Ich habe mich in den sechs Jahren meines BWL Studiums immer als Assistentin in einer Unternehmensberatung gesehen, die dem Chef EXCELTABELLEN ZUARBEITET. Als Glam Media auf mich zukam, habe ich diese großartige Chance ergriffen, inklusive der 100%igen Verantwortung, die diese mit sich brachte.

WAS HAT GLAM DAZU BEWOGEN EINER DAMALS 25 JÄHRIGEN DIE REDAKTION ANZUVERTRAUEN?
Die suchten Jemanden mit FEUER UNTER DEM HINTERN. Jemanden, der rocken will und den man ins kalte Wasser schmeissen kann. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits meinen ERSTEN BLOG „Feinsinn“ laufen und ein Jahr zuvor Les Mads gelauncht. Trotzdem hätte ich manchmal gern einen Senior neben mir gehabt…

WIE LAUTETE DENN DEIN AUFTRAG?
Ich sollte die deutsche Glam Seite analog zu Glam.com aufbauen. Nur eben im eigenen Look & Feel. Konkret hieß das: Redaktion leiten, Content erstellen, Grafik machen, freie Autoren ranholen, kommunizieren…

Julia Knolle vor ihrem Lieblingsclub, das Scala (der neulich leider seine Pforten schloss)

HÖRT SICH NACH PUNK ROCK AN…
Am Anfang war das HARAKIRI, ein Startup-Startup sozusagen. Aber ich dachte, ich mache das jetzt einfach mal. Irgendwann sagte dann die Chefredakteurin eines Berliner Magazins zu mir: „Im Grunde genommen machst du den gleichen Job wie ich“. Da erst ist mir bewusst geworden was ich leiste.

ERFOLGREICH ALS NERDY MIT RINGEN UNTER DEN AUGEN

DU HAST MAL GESAGT, ERFOLG BEDEUTE FÜR DICH ZUFRIEDENHEIT UND SELBSTVERWIRKLICHUNG. WIE FÜHLT SICH “DEIN” ERFOLG HEUTE AN?
Das Erfolgsgefühl kommt jeden Morgen, wenn ich die Les Mads Statistik sehe. Dann spüre ich, dass ETWAS ZURÜCK KOMMT. Ich brauche diese Feedback, denn mir fällt es schwer zufrieden mit mir selbst zu sein.

DU BIST IMMER ON. WAS BRINGT DAS MIT SICH?
Verglichen mit den Print Chefredakteurinnen, sind wir die abgerockten NERDIES, mit Augenringen. Wir denken leider immer noch, wir sind die kleinen bloggenden Ladies und müssen uns die Nächte um die Ohren schlagen, um die Posts hochzusetzen. Wenn ich Moderedakteuren erkläre, was für ein Arbeitsaufwand ich betreibe, dann sagen die immer „Da hätte ich gar keine Lust zu“.

Julia Knolle in den Kunstwerken

ERKENNST DU OB JEMAND DAS POTENZIAL ZUM ERFOLGREICHEN BLOGGER HAT?
Ich weiss sofort, wenn jemand das gut machen wird. Das sind MÄDELS VON EINEM SCHLAG: durchaus etwas geeky und nerdy aber mit viel Leidenschaft für das Bloggen und die Inhalte gesegnet. Diese Blogger hauen einen Post raus, wenn sie nachts nicht schlafen können.

LAUT ZEIT ONLINE TUN „FASHION-BLOGERINNEN AUF EINMAL DAS, WAS LANGE ALS “TYPISCH MÄNNLICH” GALT: SIE UNTERSTÜTZEN SICH GEGENSEITIG.” WIE SIEHST DU DAS?
Hmmm…ich würde das noch nicht so optimistisch sehen. So viele Fashion-Bloggerinnen lesen Les Mads, aber KEINE VERLINKT AUF UNS. So hat zum Beispiel Niemand auf unseren Aufenthalt bei der Fashion Week Australia hingewiesen.
Ich kann zwar nachvollziehen, dass manche Blogger sich uns gegenüber benachteiligt fühlen, weil wir überall eingeladen werden. Aber eigentlich glaube ich, dass das PROBLEM nicht wir sind, sondern die übergeordneten Institutionen. Die Blogger werden nicht richtig ernst genommen.

MARKEN UND BLOGGER

GLAUBST DU AN EINE FRUCHTBARE KOOPERATION ZWISCHEN MARKEN UND BLOGGERN?
Marken sollten ihr Budget viel öfter in Jemanden investieren, der eine großartige Arbeit an der Zielgruppe machen kann. Eben über Internet und Social Media. Einer grossen schwedischen Bekleidungskette habe ich vorgeschlagen Fashion-Blogger stärker zu integrieren, um ihre STORES ZU PUSHEN. Warum nicht fünf Bloggerinnen eine Einladung zum Bloggerevent schicken und sie das spreaden lassen. Wenn man Bloggern das Gefühl gibt, für ihre Arbeit geschätzt und gezielt ausgewählt zu werden, dann LÄUFT DIE SACHE. Aber viele Marken glauben, dass Aufwand und Nutzen in keiner Relation stehen. Dabei ist der Aufwand gering und der Nutzen riesig, wenn man weiss wie es geht…

bei anderen wohnt hier der Untermieter - bei Julia Knolle die Klamotten

WIRST DU ALS BLOGGERIN VON DEN MODELABELS ERNST GENOMMEN?
Wir sind noch lange nicht da wo wir sein sollten. Ich erinnere mich an die Berliner Pressdays als ich zufällig den Timeslot einer Print-Redakteurin erwischte. Niemand beachtete mich, geschweige denn, dass mich Jemand durch die Kollektion führte. Ich dachte bei mir: “Wenn ich jetzt gleich den Artikel schreibe, dann lesen über 1000 Mädels, klicken auf den Link und kaufen das Ding online. Die Redakteurin bringt die Schuhe nächste Woche als kleinen Teaser in der Fußzeile…” Da wird noch Einiges nicht verstanden, weil Online noch nicht reglementiert ist.

bücher

WIE LAUTET DEINE ZUKUNFTSVISION FÜR DAS BLOGGEN?
Im Moment sieht noch keiner das große KREATIVE und MULTIPLIKATIVE Potenzial von Bloggern. Ich glaube an das MODELL SE: Ein schwedisches Netzwerk, das gute Blogger mit einem gewissen Betrag im Monat unterstützt. Ich wäre die Erste, die für die deutsche Variante trommelt. Es liegt an uns, unsere Leidenschaft zu MONETISIEREN, anstatt darauf zu warten, dass andere das für uns tun.

Dank Dir, Julia.

Weitere Insights in die Neue Kreative Klasse sind hier für Euch.

Die Fotos sind von Yuna Yagi, meiner Fotografin, die momentan in Japan weilt.

Related Posts:

25 Comments »

  • Frank said:

    ach, das ist immer spannend etwas über das bloggen als business zu lesen, in den blogs selber wird das ja meist totgeschwiegen. schönes interview!

  • misscreativeclassy (author) said:

    Danke. Finde ich auch und bin dabei das zu ändern. Erzähl ich Dir gern, wenn wir uns wiedersehn.

  • Daniel Kruse said:

    Fotografin: Kauf ich.
    Knolle: Mag ich.
    Classy: Schreibt ganz schön tiefgreifende Interviews.

    Hm…

    Gruß vom Aktivistenufer,
    dk

  • misscreativeclassy (author) said:

    Merci der Herr. Ich kann alles drei zurück geben. mag aktiven Daniel und kauf ihm seine Tiefe ab ;-)

  • Rene Schaller said:

    es ist ein tolles interview, informativ und spannend. glückwunsch!

  • misscreativeclassy (author) said:

    Ich danke Dir!

  • ROB said:

    ich kann mich meinen vorrednern
    nur anschließen: sehr schönes interview
    und der lichtblick für meinen heutigen
    morgen!

  • Anna Sterntaler said:

    Super Interview. Sehr interessant mal einen Einblick hinter die Blogger-Kulissen zu bekommen. Danke dafür. Vielleicht wird das ja eine wöchentliche Serie?

  • misscreativeclassy (author) said:

    Danke! Da gibt es schon Gedanken in meinem Köpfchen ;-)

  • Nils said:

    Tolles Interview. Würd gerne mehr über dieses schwedische Netzwerk lesen.

  • kopfbunt said:

    Ein klasse Interview mit sympathischem Inhalt und klasse Bildern – Vielen Dank!

  • elv said:

    lecker interview, das wirklich mal sagt wie es derzeit auf den blogs aussieht.
    zum thema marken: man hat schon den eindruck, dass die firmen aufhorchen, wenn sie “blog” hören aber sich immer noch nicht trauen, weil sie social media und ihre wirkungsweise nicht ganz verstehen.

    weiter so!

  • elv said:

    PS: das mit dem “Diese Blogger hauen einen Post raus, wenn sie nachts nicht schlafen können.” ist sowas von wahr ( : und dank Julia werde ich es jetzt eher als Kompliment sehen, wenn ich wieder “geekgirl” gerufen werde

  • kathrin said:

    ich mag julia sehr,
    finde sie ist eine der symphatischten bloggerinnen.
    nett und mit ziel. fokussiert. das mag ich!
    super find ich das in diesem interview nicht die klassischen “wie ist das mit les mads – fragen” gestellt wurden.
    was ich jedoch nicht teilen kann ist, das keine andere bloggerin zu les mads verlinkt. ich selbst tue es und ich hab auch immer mal wieder in anderen blogs gelesen (z.B.); “ich bin nicht da, doch was vor ort passiert, könnt ihr bei les mads lesen.” vielleicht hat julia aber auch nicht mehr soooo viel zeit (was ja auch irgendwie positiv für sie ist) im internet zig blogs aus deutschland zu durchstöbern…
    natürlich gibt es mittlerweile viele neider, doch ich glaube die sind prozenttechnisch doch eher in der minderheit und das ganze thema wird zu hochgespielt.
    ich bin gerne bereit für mehr projekte und gemeinsame sachen in der bloggerwelt ;)

  • mahret said:

    danke dir, eva :)

  • Mia said:

    “Keine verlinkt uns”

    Also wenn das wirklich wahr ist, dann kann ich nur lachen!! Les Mads sind auf SEHR SEHR vielen Blogs verlinkt und werden gefeatured. Was ihre Australienreise betrifft, kann ich dazu nichts sagen.

    Wenn sie keine Verlinkung hätten, wäre ein Google Rank von 6 unmöglich!

  • Gérard Straebel said:

    Endlich mal kein Wischi-waschi-Interview zu einem leider oft belächelten Thema. Danke.

    Mehr davon. Bitte!

  • corinna said:

    Pointierte Fragen, offene und sympathische Antworten – was will der Leser mehr? Endlich mal kein 0-8-15 Interview, eine Reihe solcher Gespräche solltest Du Dir überlegen :)

  • misscreativeclassy (author) said:

    Dank Dir

  • Rene Schaller said:

    eine sachen gibt’s doch: warum wird bloggen immer als thema für frauen abgetan, zumindest dann wenns um mode und so was geht?

  • misscreativeclassy (author) said:

    Das weiss ich auch nicht. Vielleicht werdet ihr Männer einfach mal laut und erzählt den Medien, welche die Mädels eifrig featuren was Sache ist. Wär bestimmt interessant für diese.

  • Rene Schaller said:

    aber muss man denn überhaupt nach geschlechtern trennen? das ist ja was mich stört.

  • kathrin said:

    ich mag julia sehr,
    finde sie ist eine der symphatischten bloggerinnen.
    nett und mit ziel. fokussiert. das mag ich!
    super find ich das in diesem interview nicht die klassischen “wie ist das mit les mads – fragen” gestellt wurden.
    was ich jedoch nicht teilen kann ist, das keine andere bloggerin zu les mads verlinkt. ich selbst tue es und ich hab auch immer mal wieder in anderen blogs gelesen (z.B.); “ich bin nicht da, doch was vor ort passiert, könnt ihr bei les mads lesen.” vielleicht hat julia aber auch nicht mehr soooo viel zeit (was ja auch irgendwie positiv für sie ist) im internet zig blogs aus deutschland zu durchstöbern…
    natürlich gibt es mittlerweile viele neider, doch ich glaube die sind prozenttechnisch doch eher in der minderheit und das ganze thema wird zu hochgespielt.
    ich bin gerne bereit für mehr projekte und gemeinsame sachen in der bloggerwelt

  • lisa lu said:

    also, ich finde les mads drängen sich gerade selbst ins abseits.
    wie du mir so ich dir, das ist eine fast ungeschriebene regel bei den bloggern.
    der stylespion sprach von einer gemeinschaft die es bei den bloggern nur bei den fashion bloggern gibt. ist auch so, das gefühl hab ich auch.
    doch; les mads verlinken SELTENST zu kleineren blogger/innen. klar, die großen sind dabei, doch auch bei den kleineren gibt es bestimmt sachen die inspirieren und die sie nutzen.
    vielleicht möchte burda das nicht, möchte nur das zu zeitschriften oder großen seiten verlinkt wird. vielleicht auch die richtige strategie, denn durch verlinkungen bei der größten blog seite werden andere auf auch gute blogs aufmerksam.
    so hält man seine konkurrenz klein.
    naja, doch das niemand zu les mads verlinkt, das zu sagen ist echt ein unding!!!
    die alle sind so neidisch auf uns schiene – sehr seltsam!!!
    two for fashion schreiben immer wieder alle an, machen aktionen wo sich alle beteiligen können.
    es tut mir leid, doch so langsam hab ich das gefühl, der erfolg ist ihnen doch zu kopf gestiegen. auch wenn sie ja so viel alleine organisieren!

  • kathrin said:

    ach je, hab doch schon vorgestern den kommentar geschrieben ;)
    nach mia hätte ich sonst nix mehr zugefügt :)
    außer das die julia ne nette ist (schleim schleim :-D )

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.