WEITERTANZEN MIT FRIEDERIKE JEHN

source: weitertanzen
ICH TREFFE EIN BERLINER IT-GIRL! So jedenfalls hat das Sportswear International Magazine beschlossen, Friederike Jehn zu nennen. Ein Es-Mädchen, das als hoffnungsstarke Nachwuchsregisseurin und Drehbuchautorin gestern Abend ihren Debütfilm “Weitertanzen” nach Berlin brachte. Und dazu “einfach all ihre Freunde” eingeladen hat. Sie ist gespannt und ein wenig nervös als wir uns im Lieblings-Café die Hände reichen. Sie wirkt vertraut, wahrscheinlich haben wir uns desöfteren irgendwo nachts an den gemeinsamen Berliner Orten gesehen. Und ich schwanke zwischen einfach mit ihr losreden und zu schaun wie sie so als gleichaltriges Mädchen ist und einer gewissen Ehrfrucht: ICH HABE NOCH NIE EINE RICHTIGE REGISSEURIN INTERVIEWT!

Also erstmal zu den professionsbedingten Dingen fragen: Friederike Jehns Weitertanzen hat im vergangenen Oktober den renommierten Eastman-Förderpreis in Hof gewonnen. Koproduziert mit der Talentreihe “Debüt im Dritten” des SWR ist sie hier mit ihrem 90 Minüter angetreten. Ihr erster, nach einigen zuvor gedrehten Kurzfilmen. Dass sie den mit 4000 Euro für Kodak Filme dotierten Förderpreis gwann, damit hatte wohl keiner gerechtet.
source: Hofer Filmtage
Sie war der UNDERDOG, auf den niemand gesetzt hatte. Sie meint sogar, dass keiner der dort anwesenden Journalisten Weitertanzen gesehen haben mag. Man findet zumindest kaum eine Kritik im Internet.
Heute Abend also BERLIN, ihre Wahlstadt, in der sie lebt und auch bleiben mag. In der sie bereits an drei neuen Projekten arbeitet, die “SIE ALLE MACHEN WÜRDE”, wenn sie das Go dafür bekäme. Es mangelt nicht an Ideen, Schreibkunst und Durchhaltevermögen. Friederike Jehn ist beim Schreiben des Drehbuchs zu Weitertanzen durch einige DUNKLE TÄLER gewandelt. Die Idee, eine Geschichte zu erzählen, die von einem fast selbstzerstörerischen Sicherheitsdenken handelt, das Maren, die Hauptdarstellerin, alles tun lässt, was gerade noch so auszuhalten ist und die dabei immer mehr verliert. Sich selbst und ihre Liebe, Arno, den sie einen GRAUSAM LANGEN TAG lang versucht zu heiraten. Dieses Dilemma hat Friederike Jehn immer wieder dunkel werden lassen, die Szenen düster und verworren. Sie wusste, so geht das nicht und fand nach und nach eine Brücke: sie beschloss, nur noch Szenen zu schreiben, die sich für sie selbst richtig anfühlten, die auch Spass machen und sich von dem Bund an filmischen Theorien in ihrem Kopf entfernen durften. Sicher war sie natürlich nie, ob ihr Film ankommen würde. Vorallem bei den Menschen, die ihr nah waren und sind. Und deshalb hatte ihr Herzklopfen keineswegs seinen Höhepunkt bei der Verleihung in Hof, sondern dann, als sie Weitertanzen ihrem Team vorstellte. Das mit der guten und schlechten Kritik ist sowieso so eine Sache: die gute nimmt man so hin, die schlechte tut weh. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem man beschließt, dass ein Film auch polarisieren darf und im Fall von Weitertanzen wohl auch muss. Der Grund manifestiert sich ganz gut in der Auswahl der HAUPTDARSTELLERIN.

source: Marie-Christine Friedrich
Friederike Jehn hat sich hierfür über neun Monate Zeit genommen, bis es bei Marie-Christine Friedrich Klick gemacht hat. Was sie suchte und fand war die Präsenz von zwei eher gegensätzlichen Polen: EINE FRAU MIT ABGRUND UND ZUGLEICH POSITIVER STÄRKE. Denn nur so jemand kann den Film tragen, der von diesem Mädchen handelt, das alles dafür tut, um ganz sicher sein zu dürfen. Ihre Liebe Arno, ein großartiger Barnaby Metschurat, verspricht ihr dann auch sie zu 2 000 000 000 % festzuhalten und dies in einem rauschenden Hochzeitsfest kumulieren zu lassen. Das was, sich so spitzenmäßig rüschenhaft anhört wird vo Friederike Jehn SKURIL GEBROCHEN. Durch ein fast verfallenes Grand Hotel im dunklen Schwarzwaldt, dem örtlichen Tennisclub, Freunde von Arno, die glattgegelt der Braut auf grausam indifferente Weise begegnen und ein Ex-Freud, Stipe Erceg, der scheinbar die Traumlösung am Ende ist. Friederike gelingt es aus einem großen Traum einen sich von SUBTIL ZUM FAST SURREAL ANMUTENDEN ALPTRAUM zu machen.
Während des Films, der mich, auch aufgrund unübersehbarer typischer schwäbischen Spitzen, ganz schön BEKLOMMEN machte, ist es irgendwie tröstlich an ihre Erzählungen vom Nachmittag zu denken. An die Menschen aus Freudenstadt, die als begeistere Komparsen agierten und hierfür extra Urlaub nahmen. Oder die Motoradfahrer, die zufällig am Hotel vorbeifuhren und von der Crew direkt gebucht wurden. Das Ergebnis ist eine Eingangsszene mit einer schwanenhaft anmutenden Maren auf genau diesem Mobil. Und: sie trägt dabei diesselbe weiße Lederjacke, die in meinem Schrank hängt. Muss sie gleich mal suchen gehn…
source: weitertanzen
NACH DEM FILM BIN ICH HIN UND HER GERISSEN, schwanke zwischen Beklommenheit und Hysterie. Erstere geht auf Weitertanzen zurück, zweitere auf den unglaublich komischen und gleichzeitig FREMDBESCHÄMENDEN AUFTRITT der Babylon Mitte Dame, die da versuchte mit der Filmcrew vor diesem samtroten abgehalfterten Vorhang ein Interview zu führen. Man muss sich das so vorstellen: eine Mischung aus gealterter Ballettänzerin und überstudierter Sozialwissenschaftlerin trifft auf eine Stimme, mt der man zweifellos eine großartige Karriere in der TELEFONSEXBRANCHE machen würde. Dazu ein paar Fragen, die so unglaublich inhaltsleer waren, dass meine komplette Sitzreihe am liebsten unter die Stühle gekrochen wäre. Wäre da nicht Barnaby gewesen, der Herz auf der Zunge mäßig Dreh- und Castinggeschichten zum besten gab, der Abend hätte schal geendet.
Um abzuschließen: was Frierderike da an Potenzial gezeigt hat, fand ich beeindruckend. Zweifellos hat sie da was, was man Talent nennt. Also her mit den Produzenten, Verleihern und sonstigen Geldgebern: DA IST JEMAND MIT DEM IHR RECHNEN SOLLTET.
Oh wie toll. EVA DU LIEST MEINE GEDANKEN! Ich dachte gestern noch MIST DAZU MUSS man doch was machen! LEIDER LEIDER LEIDER hatte ich SO viel zu tun, dass ich nicht aus dem Büro weggekommen bin und konnte den Film leider gestern nicht sehen
naja, es wird sich schon noch eine Möglichkeit ergeben. Danke fürs Posten. Wirklich, einer der tollsten Beiträge! Sehen wir uns auch bald mal wieder 
Liebste Grüße,
M.
Liebe Mahret, DANKE! Und ich freu mich sehr aufs Wiedersehn. Bin nächste Woche in den Bergen aber danach melde ich mich und hoffe, dass Du in Berlin weilst…bisschen neidisch bin ich ja schon auf das Leben zwischen Indien, Fashion Weeks und so
Bis ganz bald
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