THRILLS UND DRILLS IM BAD GASTEINER MIRAMONTE
Ich hatte es bereit angekündigt: meine Suche nach dem PERFEKTEN HIDEAWAY mit urbaner Kommunikationsattitüde fand letzte Woche ihren Anfang. Also den Liebsten geschnappt, rein in den Flieger, rauf in die Luft, rein ins Shuttle, im Vorbeifliegen den obligatorischen Kaffee geschnappt, hinauf in die Bad Gasteiner Berge und hinein in die 20er Jahre des Hotel Miramonte…

Das erste, was uns begegnet, als wir uns durch die Lobby des Hotel Miramonte bewegen sind HORNBRILLEN, die uns, versteckt hinter riesigen Blumenarrangements, neugierig anschauen und freundlich zublinzeln. Mir schiesst ein “krass, hier is es wie in Berlin” durch den Kopf. Und das wollte ich ja auch. Aber im ersten Moment ist der Kontrast zwischen den mächtigen Bergen, der morbiden Bäderarchitektur da draussen und dem urbanen Style hier drinnen doch ganz schön heftig. Aber gut, wir kommen klar, tätscheln den Hund, freuen uns über die reizende Begrüßung des Empfangs und fläzen uns erstmal in die Lounge, die bereits mit hübsch anzusehenden Großstädtern garniert ist.




Mal sehen, wen wir so kennenlernen. Den sleeken Architekten aus München? Den Dior-Mann aus Hamburg? Oder doch lieber diese Gruppe da an der Bar….die mich latent an die GREY ANATOMY Crew erinnert (sowohl was die Optik als auch die Gebaren betrifft, äußerst unterhaltsame Sache, das!).
Aber dann kommt es doch irgendwie anders. Wir geben uns drei volle Tage lang das Miramonte Komplettprogramm. Wir schlürfen fleissig After-Ski-Käffchen in der Lounge, schwitzen in der Sauna mit wechselnder Besetzung, belauschen dabei höchst spannende, wenn auch im Saunakontext leicht fragwürdige Intimgespräche. Robben uns im Miramonte Spa von der Massageliege zum Aveda Body Scrub und wieder zurück. Rasen zwischendurch die Berge mit den Skigeräten hinunter, ignorieren tapfer dessen Folgen und erscheinen Abend für Abend und (natürlich!) jeweils im neuen Outfit zum 4-Gänge-Dinner.

Das alles tun wir nur für uns und gleichzeitig mit allen anderen. Es ist so ein bisschen wie im Prenzlauer Berg, wenn Sonntagabends genau die Filme ausgeliehen sind, nach denen man gerade greifen wollte oder wenn man, lange bevor es an die tatsächliche Umsetzung der Kleinfamilie geht, beschließt ganz sicher KEINEN BUGABOO Kinderwagen zu kaufen.
Die ESSENZ hieraus? Es ist total komisch, sozusagen mit seinem sozialen Spiegelbild konfrontiert zu sein, das exakt dieselben Dinge tut, die man ebenfalls gerade tut und welches dabei, genau wie man selbst, vorgibt völlig darin aufzugehen (schwitz, schwitz, entspann, entspann, scan, sacn durch die neusten Magazine etc.). Währenddessen aber konstant und unübersehbar zu einem rüberlinst und sich, übrigens natürlich genau wie man selbst, fragt, was wohl das Wesen da im weissen Frotteemäntelchen so im richtigen Leben tut und wie es wohl wäre, wenn man sich in Berlin/München/Hamburg auf der Strasse treffen würde.
Das alles ist ein bisschen SCHIZOPHREN und doch amüsant. Nach drei Tagen allerdings changiert das Ganze, zumindest für mich, ins Angestrengte und ich bin mir nicht sicher, ob es nun an uns liegt oder einfach in der Natur des Großstadtmensch, dass es so schwierig sein kann, ein sympathisches Lächeln über den Loungechair oder auch wahlweise die Spaliege schießen zu lassen. An den Hausherren liegt es jedenfalls nicht. Die haben gut zu tun, ihre feierwütigen Gäste bis sechs Uhr morgens an der Bar zu entertainen.
FAZIT: Mission ENTDECKUNG geglückt, Mission KOMMUNIKATION abgebrochen. Aber Einiges zum Thema INSZENIERUNG gelernt….


[...] Es kann ja nicht angehen, dass ich auf Miss Creative Classy voller Inbrunst SPRÜCHE absetze wie “Teilen ist das neue Geben” oder “Kreativität ist die neue Wirtschaft und Kollaboration der Schlüssel” und so weiter und dann die alte Kapitalistenschlampe raushängen lassen. Zudem freu ich mich sehr diesen Ort und das Hotel so schnell und unverhofft wiederzusehen. [...]
[...] Ich erinnere mich an diesen Winter, als ich, obwohl ich vom modernen Hideaway Geist wusste, diesen im MIRAMONTE nicht zu fassen bekam. [...]
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