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Wenn Berlin’s Kreativszene in der temporären Kunsthalle ein Statement ausruft

8 Januar 2009 2,910 views No Comment

Dienstagabend ist etwas geschehen, das für Berlin ein Phänomen ist, wenn nicht sogar ein einzigartiges.

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credit: Create Berlin

Es geschah um Punkt halb sieben. Draußen war es zweistellig minusgradig und damit bitterkalt. Drinnen in der temporären Kunsthalle legten die kreativen Macher des Designnetzwerks Create Berlin, zusammen mit den Über-Designern von Vitra und Berlins Spezialist für maximales Understatement minimum letzte Hand an: an eine Ausstellung, die sich mit dem beschäftigt, für das Berlin als Kreativstadt steht. Das jeder spürt, der hier herkommt, das aber so schwer zu definieren ist. Vielleicht in einem Wortversuch: der Freiraum, der Berlin seinen kreativen Machern schenkt, den es zu befüllen und gleichzeitig zu erhalten gilt.
Create Berlin hat sich als das größte Netzwerk der Kreativ- und Designszene Berlins diesem Freiraum angenommen und befeuert seit drei Jahren die Kreativwirtschaft, auf das die Stadt ihrem Titel als erste europäische UNESCO City of Design gerecht werde. Was bisher hier hierzu geschah ist ziemlich groß und ziemlich international. Hier eine kleine Auswahl:

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BERLIN DAY in New York, 2007
Am 17. Mai durch Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eröffnet, war die Ausstellung “Koffer aus Berlin” der Höhepunkt des BERLIN DAY in New York. Gleichzeitig präsentierte das MoMA mit „Destination: Berlin“ die größte Verkaufsausstellung in seinen Design Stores.

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CREATE BERLIN mit der Ausstellung CREATIVE SPREE auf der SHANGHAI INTERNATIONAL CREATIVE INDUSTRY WEEK 2007

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MADE IN BERLIN – BERLIN DESIGN DOME, Mailand auf dem„Salone Internazionale del Mobile“ 2008
Der eigens kreierte BERLIN DESIGN DOME zog als Kreativbotschafter der Stadt Berlin gehörige Aufmerksamkeit auf sich und die in ihm präsentierten Designobjekte von 19 Berliner Designbüros und Labels.

Aber zurück zum Phänomen:

Die Uhr schlug 18.30 Uhr und beinahe wie hingezaubert standen über 1.200 Kreativbegeisterte vor den Türen der Kunsthalle. Sie alle waren dem Ruf Create Berlins zum Empfang im Neuen Jahr gefolgt.  Für alle Nichtberliner: kreative Menschen in Berlin sind ein durchaus anspruchsvolles, recht individuell gesteuertes und enorm verwöhntes Völkchen. Heißt: man kommt, wann man mag, davor wird bis kurz vor knapp aus den drei bis fünf täglichen Kulturhighlights das mit dem größten “Neu-Potential” herausgepickt, und bei den übrigen wird dann im Anschluss auch noch eben vorbei gehüpft. Aber Dienstagabend war anders. Alle waren sie da in der Kunsthalle und blieben bis um 3 Uhr nachts, man berichtete von Engtanzorgien auf der Café-Tanzfläche. Zielgruppentreffer par excellence würde ich sagen: Designer, Künstler, Journalisten, Vertreter der Stadt und des Senats, Kreativwirtschaftsunternehmer und Insitutitonen wie die Universität der Künste, sie hatten alle Lust auf dieses Treffen und Create Berlin damit definitiv Magnetkraft.

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Pferdebär, Kuschelobjekt von c.neeon Fashiondesign und anschlage.de - Communication.Design.Research
credit: Create Berlin

Zu sehen gab es Design, das geschieht, wenn Designer aus unterschiedlichen Richtungen kollektiv kreativ sind:
Durch Create Berlin aufgerufen, sich zum Thema “20 Jahre Mauerfall ” und den berlintypischen “Freiräumen” auszutoben, taten sich Krebsforscher und Fashiondesigner, Fotodesigner und Architekten, Produktdesigner und Kommunikationsexperten zusammen und entwickelten ihre ganz persönliche “Freiraum-Version”.

Zum Beispiel: Brustkrebszellen, die auf Swarowski Kristallen wachsen und auf Abendkleidern sichtbar werden. Glamour, der die Auseinandersetzung mit Krankheit aus der düsteren Verdrängung heraus löst.

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Memento mori (links), Brustkrebszellen auf Kristall, Designer: Dr. Alexander Kaszubiak (Molekularkrebsforscher) und Helge-Christian Schmidt (Modedesigner)

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B-Sides, :: dan pearlman (Marken ID) + Arsmatho (Kunst): Es sind die großen, die bekannten Dinge, die Menschen bewegen nach Berlin zukommen und die kleinen, die vorher unbekannten, die sie bewegen zu bleiben…Diese einzigartigen,  liebenswerten Seiten neben den bekannten Ansichten sind die B-sides, die nur die „Eingeweihten“ sehen und in der Ausstellung sichtbar werden
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COORDINATION und diephotodesigner.de entwickelten die Spiegelskulptur „CRYSTAL CITY MIND“, die den früheren Verlauf der Berliner Mauer in einer fotographisch bespielten Spiegelskulptur darstellt.

Damit ist eins klar: Berlin ist nicht nur irgendwie super kreativ, sondern bereit für ein Statement, wenn nicht sogar ein Commitment: die Creative Industries sind in Berlin nicht nur Experiment, sondern konkrete Manifestation des enormen kreativen Potenzials in dieser Stadt und ihre Bereitschaft dieses in Business zu verwandeln.

Damit nähert sich Berlin in großen Schritten und doch ganz auf seine Weise der britischen Super-Kreativ-Metropole, welche die Ausstellung bereits im September während der Design- und Fashionweek begeistert aufgenommen hatte.
Peter Tibber Generaldirektor Trade und Invest UK brachte es auf den pathetischen Punkt: “This event is the meeting of two highly creative cities, London and Berlin, yet different in the tradition of design. May this event offer London and Berlin designers the opportunitiy to find soulmates in creativity, innovation and business.”
Die Tate Modern setzte das direkt um und verkaufte bis zum Dezember im eigenen Designshop das Berliner Design. Geht doch und wie!

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