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Sonntage mit Richard Avedon Attitüde

29 Dezember 2008 20,856 views No Comment

Gestern war einer dieser Sonntage, der sich angefühlt hat wie hellblaue Luft mit Teilchenbeschleunigern. Er begannt mit einem Berliner Morgen und einem, in der Tat raren, Phänomen: Sonne. Die Bettdecke wurde hektisch beiseite geschüttelt, die Körper in Mäntelchen gehüllt und das Auto Richtung Tiergarten gepeitscht.

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Super! Sonne, Luft, so was wie Bäume, und alle anderen noch beim Ausschlafen unter elterlicher Heimataufsicht.  Ganz viel Muse zum einatmen, bis die Nase einfrier und den obligatorischen Kaffee in Kombination mit den liebsten Eskapismusmagazinen, die den Plan für die vier Wochen Auswanderung im Dezember 09 dingfest machten, erforderlich machte.

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Ich finde es immer wieder großartig, wie Ästhetik, kaum, dass sie den ersten Wahrnehmungsfilter passiert, direkt auf die Gefühlslage einwirkt, und Hochstimmung oder zumindest eine Art Zufriedenheit hinterlässt. Fashionmagazine sind sicherlich Meister im Erschaffenen einer solchen, aber berührt sie auch? Für länger?

Muss sie vielleicht ja gar nicht, alles für den Moment, ist ja auch nett.

Aber, dann, wenige Schritte weiter, kam es zu einer Begegnung mit einer Ästhetik, die sich nicht aus den üblichen Schemata speiste. Mich hat sie faziniert.

Richard Avedon. In the American West 1979 – 1984

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Richard Avedon: Roberto Lopez, Ölfeldarbeiter, Texas, 1980

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Richard Avedon: Clarence Lippard, Landstreicher, Nevada, 1983

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Richard Avedon: Charlene van Tighem, Physiotherapeutin, Montana, 1983

Avedon, der Revolutionär der Porträtfotografie des 20. Jahrhunderts! Es ist wohl einfacher zu fragen, wen er nicht fotografiert hat. Nachdem man im Martin-Gropius-Bau Raum 1,2 und 3 passiert hat, sich die dynamischen Glamourerscheinnungen seiner unzähligen Musen auf der Netzhaut festgesaugt haben, man den Krampf im Genick beim Anstarren seines Factory Gruppenbildes gerade losgeworden ist, kommt: Raum 4 und die Konfrontation mit einer anderen Wahrheit und krassen Authentizität. Die feinkörnigen Menschenbilder aus dem amerikanischen Westen strahlen. Kraft der Aura dieser Menschen, kraft der Kombintaion aus ihrer Schönheit und Berufen wie Totengräber, Mörder, Kassiererin, Grubenarbeiter, Landstreicher. Sie erschiessen auf Augenhöhe mit Blicken, die heute Morgen immer noch brannten. Entflammt.

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